Pößneck - Junge Statements aus unserer Region

Shownotes

In dieser Episode treffen wir Charlotte Frensen, 16 Jahre alt, die einen ganz besonderen Berufs- bzw. Ausbildungswunsch verfolgt. Offen und reflektiert erzählt sie von ihren Plänen für die Zukunft und davon, was sie motiviert, schon in jungen Jahren Verantwortung zu übernehmen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist ihr Bundesfreiwilligendienst an einer Grundschule in Jena, bei dem sie wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Kindern sammelt und Einblicke in den pädagogischen Alltag gewinnt.

Neben diesen Themen sprechen wir auch über schwierige und persönliche Erfahrungen, unter anderem über den Verlust ihres Vaters und wie dieser Einschnitt ihr Leben und ihre Perspektiven geprägt hat.

Abgerundet wird das Gespräch durch Charlottes Einschätzung zum Zustand politischer Meinungen unter Jugendlichen im Saale-Orla-Kreis – ein ehrlicher Einblick in Gedanken, Sorgen und Haltungen einer jungen Generation.

Transkript anzeigen

00:00:08: Ostwärts, ein Spaziergang durch den Saale-Orla-Kreis.

00:00:13: Ein Podcast der Volkshochschule Saale-Orla-Kreis gefördert von Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

00:00:26: Und damit herzlich willkommen zu einer weiteren Folge.

00:00:28: Ostwärts, ein Spaziergang durch den Saale-Orla-Kreis.

00:00:32: Heute wieder einmal eine Folge, in der ich gar nicht vorbereitet bin.

00:00:35: Inzwischen passiert das ja immer öfter.

00:00:38: Wobei das Wort passieren eigentlich ein falsches Wort ist, denn ich mag das ja, wie ihr inzwischen wisst, Gespräche zu führen, bei denen ich mir nicht vorher drei, vier, fünf Seiten Fragen aufgeschrieben habe, sondern mal sehe, was im Gespräch passiert.

00:00:52: Wenn ihr im Hintergrund heute ein paar Nebengeräusche hören solltet, dann liegt es darin, dass ich heute in einer privaten Wohnung bin, nämlich Premiere, meiner Schwester, deren kleiner Sohn im Hinterkund ein bisschen spielt.

00:01:05: Ich hoffe, der bringt es hin, ein bisschen leise zu spielen in den nächsten sechzig Minuten, aber man kann natürlich jetzt einem Kind nicht sagen, hör mal auf und mach mal, sei mal still oder so.

00:01:17: Ja, warum sitze ich heute hier?

00:01:19: Ich möchte mich mit meiner Nichte unterhalten mit Charlotte, die ein paar interessante Themen einfach sagen wir mal auf dem Handrücken hat.

00:01:28: Wir werden ein bisschen reden über Die Abwanderung beziehungsweise, dass da bleiben im ländlichen Raum im Saale-Orla-Kreis vor allen Dingen und vorwiegend junger Menschen.

00:01:37: Wir werden ein bisschen reden über Bundesfreiwilligendienst und wir werden über einen ganz besonderen Berufswunsch reden, worauf ich erst mal noch gar nicht so weit eingehen will.

00:01:45: Lass es einfach auf euch zukommen und ich sage jetzt erstmal, weil ich habe jetzt hier schon ewig lange gequatscht, ich sage jetzt erstmal, Schalotte, moin, schön, dass du da bist.

00:01:54: Beziehungsweise muss ich ja sagen, schön, dass ich da bin.

00:01:58: Ja, Charlotte, vielleicht Eingangs möchtest du dich mal ganz kurz nur mit zwei, drei wenigen Sätzen ein bisschen selbst vorstellen?

00:02:05: Ja, also ich heiß Charlotte und ich bin jetzt sechzehn Jahre alt.

00:02:10: Ich bin im Jahr zwei tausend neun geboren, also werde ich nächstes Jahr im Januar dann siebzehn.

00:02:14: Du hast immer schon ein Pösneck gelebt, das soll dich vielleicht noch dazu sagen.

00:02:18: Ja.

00:02:18: Hattest du in den letzten Wochen oder Monaten vielleicht sogar Jahren schon mal so den Gedanken daran?

00:02:25: oder den Wunsch, Pösnek zu verlassen.

00:02:28: Ja.

00:02:29: Warum?

00:02:31: Ich weiß nicht, es ist hier einfach zu langweilig.

00:02:33: Hier ist nicht so viel los, die Leute sind nicht so

00:02:35: cool.

00:02:38: Wenn du sagst, es ist hier erst nicht so viel los, was müsste denn sein, um zufrieden zu sein als Jugendliche in Pösnek?

00:02:45: Na ja, mehr Orte, wo man sich mal treffen kann, auch so was wie Spaff zum Beispiel.

00:02:50: Das ist ja an sich cool, aber da sind dann halt auch wieder die anderen Kinder und dann wird es halt ausgeschlossen, wenn du nicht deren Meinung bist, auch viel politisches.

00:02:59: Und ja, halt einfach mehr so zum Chillen oder so oder mehr auch Aktives hier zu machen.

00:03:06: Was ist ein Aktives zum Beispiel?

00:03:07: Sport oder was meinst du?

00:03:09: Ja, auch also in Jena gibt es jetzt so einen Keramikmalladen.

00:03:13: Das ist auch cool, oder eine Boulderhalle gibt es da ja sowas.

00:03:16: Ich meine im Winter kann man jetzt schlecht im Kletterwald klettern.

00:03:18: Ja, Keramikmalladen heißt das, du gehst da hin und kannst da malen dort, oder wie?

00:03:25: Ja, du suchst dir irgendwas aus, also einen Teller, eine Tasse, eine Schüssel sowas und dann suchst du dir Farben dafür aus, dann bemalst du das, gibts ab zum Brennen und dann irgendwann kriegst du es wieder.

00:03:34: Du hast halt angerufen oder kriegst eine Nachricht.

00:03:37: Musst du was bezahlen für?

00:03:38: Ja, ich glaub so, fünfzig Euro schon mindestens.

00:03:42: Okay.

00:03:43: Das hast du grad schon Jena gesagt.

00:03:45: Das heißt, du fährst dann regelmäßig, um irgendwas überhaupt erleben zu können nach Jena, oder warum?

00:03:51: Was ist gerade Jena?

00:03:52: Welche Bedeutung hat diese Stadt in deiner Existenz?

00:03:55: Na, da mach ich mein Buf die gerade.

00:03:57: Also dein Bundesfreiwilligendienst, was machst du da genau?

00:04:00: Da bin ich in der Grundschule.

00:04:01: Eigentlich als Partnerin, aber ich fange dann frühst schon um sieben Uhr dreißig mit anzuarbeiten.

00:04:07: Wie sieht ein so normaler Tag dann bei dir aus, wenn du da an dieser Grundschule bist?

00:04:12: Naja, frühst halt erstmal hinfahren mit dem Zug, die halbe Stunde und dann mit der Straßenbahn nochmal und dann im Unterricht.

00:04:20: Wenn ich helfen kann, helfe ich halt viel mit.

00:04:23: Wenn die Hilfe brauchen zum Glück noch Grundschüler, da kann ich mithelfen.

00:04:28: Mathe Deutsch oder wenn sie eigene Lernzeit haben, da gibt es dann auch noch viele Fragen.

00:04:33: Und dann nachmittags im Hort nur noch spielen.

00:04:37: Muss man da besondere Fähigkeiten mitbringen, um so was tun zu können?

00:04:41: Oder wurde das vorher abgefragt?

00:04:45: Wie ist es gelaufen?

00:04:46: Na ja, man sollte halt schon auch auf die Kinder zugehen, weil es gibt manche, die schüchtern sind, die fragen dann halt nicht nach Hilfe oder so.

00:04:53: Dann wäre es gut, wenn man das vielleicht selber erkennt.

00:04:56: Und ja, man sollte sich auch vorher vielleicht bewusst sein, ob das richtig ist.

00:05:04: Also, ob man das wirklich jetzt einen Jahr lang machen möchte, dann mit Kindern.

00:05:07: Also, man kann auch die Stelle wechseln, wenn es einem nichts bringt.

00:05:10: Aber, ja.

00:05:12: Sag, wann machst du das jetzt?

00:05:13: ...

00:05:14: seit zwei Monaten ungefähr.

00:05:16: Und wie ist es jetzt für dich?

00:05:18: Hast du Bock darauf?

00:05:18: Oder merkst du schon auch nicht?

00:05:20: Ich würde doch gern was anderes machen.

00:05:22: Nee, also ich finde, als Berufswunsch würde ich es jetzt ... ... nicht machen unbedingt, aber ... ... so mal ein Jahr, jetzt finde ich es gut.

00:05:30: Ja.

00:05:32: Wie bist du darauf gekommen, das zu machen?

00:05:34: Also ich meine ... ... war der, also erst mal so ... ... vom normalen ... ... oder anders gesagt ... ... das ... Ja, das Bundesfreiwilligendienst, warum machst du das überhaupt?

00:05:46: Weil ich habe mich zu spät behoben und dann hat mich keiner mehr so wirklich genommen bzw.

00:05:54: das was ich halt eigentlich wollte, die hatten keine Kapazitäten mehr mich zu nehmen und dann musste halt schnell irgendwie eine Lösung her.

00:06:01: und dann hat Mama halt gesagt, es gibt so ein Bundesfreiwilligendienst oder ein freiwilliges Jahr und... Dann könnte ich das ja direkt auch schon mal dort machen, dann habe ich das schon mal mit den Fahrweg, so alles und... Ja, die Schule hat mir auch sehr gut gefallen.

00:06:16: Aber du hättest dir auch sagen können, auch weißt du, ist doch eigentlich ganz cool, dann muss ich mich erst oder kann ich mich sowieso erst ab in einem halben Jahr wiederbewerben und bleibe jetzt nicht heute zu Hause.

00:06:26: Warum machst du das nicht?

00:06:27: Nee, das durfte ich nicht.

00:06:27: Das

00:06:29: ist die Grät der Mutter.

00:06:30: Nee, aber ich hätt auch jetzt nicht irgendwie ein halbes Jahr zu Hause bleiben wollen, sehr langweilig.

00:06:35: Das will ich jeden Tag jetzt noch hier.

00:06:37: Naja, ich meine andere.

00:06:39: Menschen in deinem Alter wüssten schon, was mit sich in Anführungsflächen in sofern anzufangen, als das dann halt einfach mal sechzehn Stunden auf dem Handy rumdatteln oder am Rechner sitzen oder vor der Konsole sitzen, ne?

00:06:50: Nee, ich mach lieber was mit den Kids, das ist

00:06:52: cool.

00:06:53: Wie, wie es sieht denn?

00:06:55: oder sah denn dein Alltag aus, bevor du diesen Bundesfreiwilligendienst angetreten hast.

00:07:03: Also ich meine, dann hast du ja Schule, dann kommst du ja spätestens um fünfzehn, fünfzehn, dreißig Uhr zu Hause.

00:07:09: Nee, Schule war schrecklich.

00:07:10: Also früh sind wir eine halbe Stunde zu früh immer oben gewesen.

00:07:15: Im Winter war das halt richtig scheiße.

00:07:18: Und dann teilweise drei oder vier Schulstunden nur.

00:07:24: Dann war ich so zehn Uhr, fünf, zehn, elf Uhr, um immer fertig.

00:07:29: Das späteste, dass ich dann zu Hause war, immer drei, zehn Uhr.

00:07:32: Und ja, nicht so viel gelernt.

00:07:37: Entspannt.

00:07:38: Und was hast du dann gemacht mit deiner Freizeit?

00:07:41: Nichts eigentlich.

00:07:42: Hier verbracht größtenteils.

00:07:44: Manchmal halt mit Freundinnen rausgegangen, wenn die Zeit hatten.

00:07:48: Und wo seid ihr hingegangen?

00:07:49: in Pösning?

00:07:52: Also viel hinten, da irgendwie hoch zur Zahnlücke, Tonnerberg.

00:07:57: Aber halt auch manchmal einfach so im Kaufland noch mal ein bisschen was zu essen gekauft und dann entweder zu mir, zu ihr, auf der Altenburg.

00:08:04: oder halt einfach so irgendwie nach Pysnick Ost hintergelaufen, einfach eine Riesenrunde durch ganz Pysnick gedreht mal.

00:08:10: Also würdest du von dir schon sagen, dass du eher ein aktiver Mensch bist, der ungern zu Hause sitzt und seine Zeit mit Datteln auf dem Handy zum Beispiel verblämpert, oder wie siehst du das?

00:08:21: Beides so.

00:08:22: Also es gibt so Tage, da möchte ich einfach nur zu Hause sein alleine, aber dann gibt es auch so Tage, da würde ich gerne einfach was mit anderen unternehmen.

00:08:30: Ja.

00:08:31: Ja.

00:08:32: Lass uns mal zurück zum Bundesfreiwilligendienst kommen.

00:08:34: Dann hat, wie du gerade schon erzählt hast, deine Mutter gesagt, naja, es gibt ja die Möglichkeit des Bundesfreiwilligendienstes, das kannst du ja machen.

00:08:43: Hast du da lange überlegen müssen, was du machst oder ging das relativ zügig, dass der Gedanke da war, ich habe irgendwie Bock, was mit Kids zu machen?

00:08:51: Nee, also am Anfang war das ganz anders.

00:08:53: Da hatten wir erstmal auf die Website geguckt, direkt für den Bundesfreiwilligendienst in Jena.

00:08:59: Und dann stand da so was wie Forst oder so.

00:09:02: Und das wollte ich halt direkt gar nicht.

00:09:03: Also ich wollte schon was mit Menschen machen.

00:09:05: Und dann stand da Kunst- und Musikschule auch.

00:09:08: Und für die habe ich mich auch zuerst beworben.

00:09:11: Und dann hatte Herr Bartel halt mich angerufen und gemeint, dass es etwas komplizierter ist, da reinzukommen.

00:09:18: Aber er würde mir die Lobsterbox-Schule empfehlen.

00:09:20: Und habe ich gesagt, okay, gucke ich mir die an.

00:09:23: Dann wollte ich zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen dort.

00:09:26: Jetzt habe ich gerade eine Frage, die ich gerade vollkommen vergessen habe.

00:09:31: Also Kunst und Kultur, das war so eine eine Gedanke, die ich gerade hatte, weil ich ja von dir auch weiß, dass du Klavier spielst.

00:09:41: Gut, dann ziehe ich das von der anderen Seite auf.

00:09:44: Du hast vorhin das Wort Schüchtern erwähnt.

00:09:46: Nun kenne ich dich ja und vielleicht chat sich das falsch ein, weil wir uns ja so häufig auch gar nicht fliegen, Asche auf meinen Haupt.

00:09:53: Kenne ich dich ja auch eher als schüchtern den Menschen.

00:09:58: Wie leicht oder eben auch schwer fällt es dir, in der Schule auf die Kids zuzugehen bzw.

00:10:06: mit Menschen überhaupt was zu tun haben zu wollen?

00:10:09: Also jetzt, wo ich sie alle so kennen, fällt es mir auf jeden Fall einfacher vor allem auf die Kids zuzugehen, weil sie sind halt Kinder, die denken sich dabei eh jetzt nichts.

00:10:18: Und ja, mit den Erwachsenen verstehe ich mich jetzt eigentlich auch relativ gut.

00:10:23: Ja.

00:10:24: Also von dem her, da ist jetzt alles eigentlich in Ordnung.

00:10:28: Okay.

00:10:31: Jetzt würde mich natürlich interessieren, also du machst es jetzt seit zwei Monaten, das geht insgesamt ja zwölf Monate, und du hast aber gerade, jetzt weiß ich es nämlich wieder, was ich fragen wollte, dir habt direkt auf der Seite des Bundesfreiwilligendienstes in Jena geguckt.

00:10:43: Nun weiß ich ja, dass, oder zumindest war es vor ein paar Jahren noch so gewesen, dass man ja zum Beispiel auch beim Bildungswerk BlitzEV, also hier in der Region Bundesfreiwilligendienst machen.

00:10:54: könnte.

00:10:55: Hast du ganz explizit dich für Jena entschieden, ganz absichtlich, um wegzukommen aus Pösnek?

00:11:00: oder was ist da der Beweggrund?

00:11:02: Ja, also A, weil ich mich halt nächstes Jahr ja wieder in Jena bewerben möchte bei der Stadt und dann kennen die mich ja auch schon mal ein bisschen und dann können sie es vielleicht auch einschätzen, wer ich bin und vielleicht sind dann die Chancen ein bisschen höher, dass ich genommen werde und... Ja, ich wollte auch aus Pürstek raus.

00:11:19: Also am Anfang ist es mir zwar schwer gefallen mit dem Fahrtweg, das sind ja dann insgesamt noch mal so ungefähr grob geschätzt zwei Stunden.

00:11:27: Ja, halt hin und rückweg und dann auch wenn ich einen Zug verpasst oder einen Straßenbahn nicht bekommen muss ich ja wieder warten.

00:11:33: Also, das ist mir schon vor allem an dem ersten Tag voll auf die Füße gefallen.

00:11:38: Weil ich ... Scheiße,

00:11:39: muss ich das noch mal machen.

00:11:40: Ja,

00:11:41: weil ich bin ja dann von ... Also, meine Arbeitszeit geht von sieben Uhr, dreißig bis eigentlich sechzehn Uhr, aber ich werd extra fünfzehn, vierzehn, vierzig schon rausgelassen, damit ich den Zug noch bekomme.

00:11:53: Aber das war schon am ersten Tag viel.

00:11:56: Ich bin hier fünf Uhr, fünfzig, losgelaufen, war dann so gegen siebzehn, dreißig zu Hause und ... Das von vier Stunden auf dann ungefähr zehn Stunden, das war schon ein bisschen viel.

00:12:07: Das

00:12:07: glaube ich sehr, sehr gern.

00:12:08: Aber hast du dich inzwischen dran gewöhnt oder ist es immer noch manchmal, dass es dir schwerfällt, zu sagen, ich würde eigentlich am liebsten liegen bleiben?

00:12:15: Nee, also ich hatte so ein bisschen Probleme, da war ich dann auch jetzt ein bisschen am Anfang öfter mal krank.

00:12:22: Aber jetzt gerade läuft es eigentlich

00:12:25: gut.

00:12:25: Würdest du sagen, dass du in dem... Ich nenn es jetzt einfach mal Job, weil am Ende machst du es jetzt ein Jahr lang und dann kriegst du Geld dafür.

00:12:33: Wie viel spielt ja insofern keine Rolle, als dass du eine Beschäftigung hast und somit könnte man das schon noch als Job bezeichnen.

00:12:39: Und die Frage ist, würdest du von dir selbst sagen, in diesen Jobs ein bisschen aufzugehen?

00:12:44: Also hast du Bock drauf, das weiterzumachen?

00:12:45: Schon, ja.

00:12:46: Also allgemein auch auf den Buff, die wir hatten ja jetzt auch Seminarwoche, die war cool.

00:12:51: Das ist ja auch so eine Sache, ich habe ja auch mal Bundesfreiwilligendienst gemacht.

00:12:55: Und dann trifft man ja so seine Mitdienstmitbediensteten,

00:13:00: auch

00:13:00: immer die Menschen nennen die ebenfalls Bundesfreiwilligendienst machen.

00:13:04: Und dann gibt es ja genau das, was du gerade schon sagst, Seminare und so Workshops, wo man sich irgendwo in Thüringen trifft mit anderen Menschen.

00:13:14: und dann so ein ganzes Wochenende verbringt.

00:13:16: Das kommt noch auf dich zu, oder hattest du das schon?

00:13:18: Na, bei uns ist das anders.

00:13:19: Wir haben insgesamt fünf Pflichtseminare und das war jetzt in der Woche, also quasi während meiner Arbeitszeit, dafür werde ich aber quasi freigestellt und kriege trotzdem das Geld.

00:13:29: Und

00:13:31: die finden zum Glück alle auch in Jena statt, für alle, die das über Jena machen.

00:13:36: Und dann gibt's aber eine Woche, da werden wir dann nach Sondershausen quasi geschickt.

00:13:43: Was wird da auf dich zukommen, weißt du das schon?

00:13:45: Also ich glaube, das ist das Politikseminar dann, aber so genau weiß das

00:13:50: keiner.

00:13:51: Würdest du, das ist ja auch noch so eine Frage, die ich jetzt nicht ganz am Anfang schon stellen wollte, du hast gerade vorhin vom Paff gesprochen, dass du da eigentlich auch gerne mal öfter hingehen würdest, weil es ist so, weißt du, ich habe diese Bude hier mal mit aufgebaut mit vielen, vielen, vielen, vielen anderen Leuten, die fast alle nicht mehr da sind.

00:14:08: weil sie aus Pülsenick weggegangen sind, weil sie andere berufliche Wege gegangen sind, die irgendwie sie jetzt so einnehmen, dass sie keine Zeit mehr haben, sich irgendwie ehrenamtlich für so ein, ich sag mal, freies oder alternatives Haus zu engagieren.

00:14:20: Aber würdest du von dir selber sagen, ein politischer Mensch zu sein?

00:14:23: Und wenn ja, gibt's da Tendenzen?

00:14:26: Naja, ich hab halt so meine Meinung, auf jeden Fall.

00:14:30: Und ich weiß auch, dass viele hier in Pülsenick leider eine andere Meinung haben, aber so an sich... Also wenn sie jetzt nicht irgendwie was Schlimmes machen und dann halt auch eher dann ruhig bleiben, dann ist es mir eigentlich auch egal.

00:14:45: Das klingt kompliziert.

00:14:46: Ja, ist es

00:14:47: auch.

00:14:49: Also ist das jetzt eher so eine Tendenz in Richtung demokratische Werte verteidigen und eher so soft links oder ist es eher die andere Richtung, wenn du sagst, ich habe meine Meinung?

00:15:02: Nee.

00:15:04: Also ich bin links und ich denke, das weiß auch jeder.

00:15:07: Deswegen habe ich jetzt auch nicht so den Anschluss hier, weil die meisten halt schon dann eher rechts und

00:15:12: so.

00:15:14: Und dann bist du halt automatisch einfach ausgeschlossen, sobald du halt eine andere Meinung hast, weil die haben sicher alle und dann ist es auch irgendwie nicht so leicht da quasi reinzukommen.

00:15:25: Und es gibt manche, die akzeptieren das dann einfach, aber mit denen bin ich jetzt auch nicht so befreundet.

00:15:30: Also es gibt Leute, die grüßen mich trotzdem und dann gibt es die Leute, aber die, wenn sie mich sehen, trennen sie direkt um, weil sie aggressiv sind.

00:15:37: Sprichst du mit Menschen über politische Sachen?

00:15:39: Also gab es mal in deiner Vergangenheit oder gibt es das vielleicht sogar noch Diskussionen, wenn sich jemand eher so demokratiefeinlich äußert, sage ich jetzt mal, dass du dann intervenierst, wer war und sagst, aber so kannst du das vielleicht nicht sehen, weil oder so?

00:15:53: Naja, mittlerweile nicht mehr.

00:15:55: Ich habe aufgegeben, weil immer nur das Gleiche kommt.

00:15:57: Ja, nee.

00:15:58: Das Ausländer, immer nur die.

00:16:00: Ja,

00:16:01: frustriert dich das?

00:16:02: Ja, schon sehr.

00:16:04: Hast du eine Idee, was man da irgendwie gegenmachen könnte oder was vielleicht irgendjemand machen sollte, was die Politik vielleicht machen könnte, um das, was nicht einzudämmen oder so?

00:16:16: Naja, ich denke mal, es gibt auch viele Mitläufer eben, auch hier.

00:16:20: Also die sind zum Beispiel... Mit anderen Leuten, mit rechten Leuten sind die dann auch so richtig rechts.

00:16:25: Und dann sind sie so, ja, ey, guck mal, der ist schwarz, guck mal, der ist so hautfarbig, der ist ein Chineser, keine Ahnung.

00:16:31: Und dann sind sie aber mit linken Leuten und dann sind sie wieder ganz normal, sag ich mal.

00:16:36: Die haben dann irgendwie keine Meinungen.

00:16:40: Mach dich das manchmal wütend auch?

00:16:42: Ja,

00:16:42: sehr wütend.

00:16:43: Was machst du, damit du wütend bist?

00:16:45: Nicht so wirklich was, weil ich... Wenn ich dann mit der Person darüber rede, dann ist es immer so, ja, aber ich bin ja links.

00:16:53: Aber das sagt sie mir, weil ich links bin.

00:16:55: Und ihren Rechtenfreunden kann sie aus Gleiche sagen.

00:16:57: Also da ändert sich halt nichts dran.

00:17:00: Sind es viele in deinem bekannten Kreis?

00:17:02: Vielleicht auch aus deiner Schulklasse, aus deiner Ehemaligen?

00:17:05: Na ja, die sind eigentlich alle rechts.

00:17:06: So viele, die dann so wirklich mehr so mittelmäßig sind oder die dann mal links, mal rechts sind.

00:17:14: Da kenne ich nicht so viele zum Glück.

00:17:16: Okay, kannst du das in Prozenten ausdrücken, wie viele von denen rechts sind, die du kennst, in deinem Alter?

00:17:22: Eigentlich alle.

00:17:23: Ach, scheiße, okay.

00:17:24: Und wie viele sind das s-bar?

00:17:25: Also so, zwanzig, dreißig, hundert?

00:17:27: Naja, allein meine, ich würde jetzt nicht sagen die ganze Schule, aber schon mindestens so die dreiviertelste Schule bestimmt.

00:17:36: Dann Pösnick hier gibt es auch nicht mehr ganz so viele normale.

00:17:40: Ja.

00:17:40: Und die... Weiß ich nicht.

00:17:43: Also die meisten sind auch nicht so mein Alter.

00:17:45: Es gibt ein paar, mit denen habe ich jetzt auch so weiter leider nichts zu tun.

00:17:50: Aber ich muss jetzt noch mal zurück aufs Paff kommen und dann lieber erst mal noch anders.

00:17:54: eine andere Frage.

00:17:55: Gab es bei euch an der Schule irgendwie mal so Präventionsprogramme, ein Vortrag oder dass man sich in der Projektwoche mal mit dem Thema Demokratie oder so beschäftigt hat, hat es das gegeben?

00:18:09: Nicht so wirklich, also wir hatten viele Projekte, aber bringt da oben eh gar nichts.

00:18:13: Wir hatten auch damals immer so Drogenprojekte, trotzdem ab der fünften sechsten Klasse wird da oben schon gekweimt, gekifft, alles.

00:18:21: Ab

00:18:21: der fünften sechsten Klasse wird gekifft.

00:18:24: Ja.

00:18:24: Also ich meine, Rauchen ist ja schon schlimm genug.

00:18:27: Nehm ich mich jetzt mal aus als Raucher, ne?

00:18:30: Aber Tatsache, fünfte sechste Klasse und ne Tüte in der Hand.

00:18:33: Ja.

00:18:33: Weil sie halt so alle ihre, ich sag mal, Connections haben.

00:18:36: Auch eben hier viele.

00:18:39: Es gab ja mal einen, der hat bei *** gearbeitet.

00:18:42: Und der hat zum Beispiel an seine Freunde, die Minderjährig waren, auch Zeug verkauft, was er nicht hätte verkaufen dürfen.

00:18:49: Ja.

00:18:49: Deswegen ist er daraus geflogen.

00:18:51: Ja, zu Recht, würde ich sagen.

00:18:52: Ja.

00:18:53: Haben andere Drogen, spielen der andere Drogen auch eine Rolle?

00:18:57: Das weiß ich jetzt nicht so.

00:18:59: Ja.

00:18:59: Ich habe keinen wirklichen Kontakt eigentlich zu irgendwem da oben.

00:19:03: Okay,

00:19:03: okay.

00:19:05: Ja, dann komme ich jetzt nochmal zu dem, was ich sagen wollte.

00:19:07: Du hast gesagt, du bist eher links.

00:19:10: Willst aber nicht ins Puff gehen.

00:19:12: Also für alle, die nicht wissen, was das Puff ist, das ist der Pösnek alternativ auf Freiraum.

00:19:16: Ein Haus an der Tellmannstraße in Pösnek.

00:19:19: Das ist seit zweitausend... elf, respektive zwölf eigentlich eher gibt, was ursprünglich mal als offenes Haus, als alternativer Treffpunkt, als Raum für Menschen, die vielleicht ein bisschen sich zurückziehen wollen, die ja für Jugendliche eben die sagen, wir brauchen, wir würden gerne irgendwie einen eigenen Raum haben, wo wir uns auch treffen können im Winter, wo es vielleicht ein bisschen wärmer ist.

00:19:41: Und das war ja mal alles unser Ziel gewesen, so was herzustellen, so noch Räume hat das Pafja genug.

00:19:47: Nun stelle ich mir die Frage, wenn du sagst, du bist eher links, Und da sind Leute, die politisch anderer Meinung sind, wie muss ich mir das vorstellen?

00:19:56: Sind inzwischen für Leute dort?

00:19:57: Naja, also es gab eine Zeit lang, ich weiß nicht, wie es jetzt gerade im Moment aussieht, aber da waren halt so auch die ganzen typischen, ich sag mal typischen Jugendlichen, haben da eine Zeit lang immer halt gechillt und dann hat man sich halt auch irgendwie nicht reingetraut, fand ich alleine.

00:20:14: Ja.

00:20:15: Also meinste, und das klingt jetzt vielleicht wie ein Vorwurf, soll es aber gar nicht sein, meinste, dass das ein bisschen auch ein dir gelegen hat, beziehungsweise dass es auch an anderen selbst liegt, dass man sagt, ich würde schon gern hingehen, aber ich trau mich nicht.

00:20:31: Na, ich denke also so mittlerweile, auch wenn ich die mal so irgendwie draußen getroffen habe, die waren immer recht cool auch mit mir so.

00:20:38: im Endeffekt, ich hätte eigentlich hingehen können, aber ich habe auch keinen Bock, wenn ich da vollgekwalmt werde.

00:20:43: Okay, das

00:20:44: verstehe ich natürlich.

00:20:45: Keine

00:20:45: Ahnung, so, das war dann irgendwie auch so quasi wie der Ort von denen.

00:20:49: Eine Zeit lang hatten die den Bolzer dann immer im Sommer, dass die sich dort jeden Tag breit gewacht haben, da hat man sich dann auch nicht wirklich hingetraut.

00:20:56: Den was?

00:20:56: Den Bolzer.

00:20:57: Was ist das?

00:20:57: Unten bei Netto ist der Fußballplatz dieser, ja, da ist auch so ein kleiner Volleyballplatz bei der Schädthalle.

00:21:05: Bei der Schelzhandel ist ein Volleyballplatz.

00:21:06: Okay, weiß ich nicht.

00:21:07: Also Beach Volleyballplatz.

00:21:10: Und daneben ist dieser

00:21:10: Fußballplatz.

00:21:11: Ja, das stimmt natürlich direkt in dieser Kurve da.

00:21:13: Zum M-II-Gebäude hin.

00:21:15: Ja, genau.

00:21:16: Bolzer.

00:21:17: Ich nehme das mal mit.

00:21:18: Ich treffe mich in zwei Tagen mit dem Alexander Bonn, einem der Gründungsmitglieder des alternativen Freiraums.

00:21:24: Ich nehme das mal mit in das Gespräch.

00:21:26: Vielleicht treffen wir uns später noch mal und vielleicht ergeben sich ja Dinge, dass man sagt, na guck doch mal, lass uns doch einfach hier den Raum XY noch aufmachen, dann könnt ihr separat da sein und abhängig von denen, die immer da sind.

00:21:41: Weil ich meine, bei dir weiß ich ja... Das Schlimmste, was da passiert ist, dass meine Wasserflasche umfliegt.

00:21:49: Jetzt haben wir das abgegrast.

00:21:52: Ich habe aber eingangs ja auch gesagt, dass du einen ganz besonderen Berufswunsch hast, respektive hattest.

00:21:57: Jetzt hast du mir aber erzählt, auch im Zuge deines Berichtes in Anführungsstrichen über den Bundesfreiwilligendienst, dass du weiterhin gerne was mit Menschen zu tun haben wollen.

00:22:06: Würdest auch beruflich, hat sich also an deinem Berufswunsch und ich mache immer noch ein Geheimnis draus.

00:22:12: Du kriegst das schon mit.

00:22:13: Inzwischen was geändert.

00:22:15: Nee, also ich gucke natürlich trotzdem noch nebenbei nach anderen Möglichkeiten, vor allem weil es jetzt so langsam wieder Zeit wird, sich zu bewerben, dass wenn das halt wieder nicht klappt, ich nicht irgendwie noch einen Jahr irgendwo rumbringen muss, weil den Buf, die kann ich dann ja erst in fünf Jahren wieder machen.

00:22:31: Ja.

00:22:32: Aber ja, deswegen an sich hat er sich nicht geändert, aber ich gucke trotzdem nach Alternativen

00:22:38: noch, weil

00:22:39: ich kann das ja auch ohne die Ausbildung dazu.

00:22:42: So, jetzt tun wir mal Butter bei die Fische.

00:22:44: Damit wir die Spannung ein bisschen auflösen.

00:22:47: Was ist denn das für ein Berufswunsch?

00:22:49: Ich

00:22:50: möchte Bestatterin werden.

00:22:52: Du hast gerade gesagt, dass du sechzehn bist.

00:22:57: Und das hattest du ja schon etwas länger.

00:22:59: Wie kommt man mit fünfzehn, sechzehn Jahren darauf, Bestatterin werden zu wollen?

00:23:05: Das war eigentlich sehr lustig und zwar...

00:23:09: Das war lustig und deswegen werde ich jetzt bestattet.

00:23:12: Nee, also ja, aber das war glaube ich Anfang Mitte, Zehnte Klasse.

00:23:17: Da habe ich halt zu meiner Freundin gesagt, ja ich weiß immer noch nicht was ich machen will.

00:23:20: Dann hat sie gesagt, komm, wir machen bestattet und so aus Spaß halt.

00:23:23: Und dann habe ich gesagt, ja komm, das machen wir zusammen.

00:23:26: Und dann irgendwann... ... dachte ich so halt immer mal öfter drüber nach ... ... und dann haben wir Ausbildungsberufe in Thüringen gesucht ... ... auf so einer Website und da stand auch Bestatter ... ... und dann habe ich halt wieder aus Spaß gesagt ... ... Bestatter, das mache ich ... ... und dann haben wir mir aber tatsächlich ... ... ein Praktikumsplatz ... ... und beim Hermars besorgt.

00:23:43: Okay, du hast schon ... ... eine Praktikum gemacht quasi.

00:23:45: Ja.

00:23:45: Okay, ja.

00:23:46: Und da hatte ich dann auch ... ... am ersten Tag direkt eine Leiche.

00:23:51: Okay.

00:23:52: Ja, und also war halt die erste, war ein bisschen unheimlich, da hab ich mich jetzt nicht so ran getraut, aber dann am Dienstag oder Mittwoch war die nächste, da hab ich dann schon mit beim Anziehen und so geholfen.

00:24:04: Und

00:24:04: wir hatten eine Abholung in Jena im Uniklinikum.

00:24:08: Eine Trauerfeier war auch Freitag, also ich hab so ziemlich alles mitgenommen und am Mittwoch haben wir sogar einen Urnloch gebuddelt auf dem Friedhof.

00:24:15: Okay, also alles innerhalb weniger Tage.

00:24:19: Hast du quasi die volle Breitseite des Jobs als Bestandterin mitgenommen, muss ich ja eigentlich fast schon sagen.

00:24:27: Ich möchte mal ein bisschen in die Tiefe gehen.

00:24:29: Du hast gerade gesagt, schon am ersten Tag hattest du deine erste Leiche.

00:24:34: Was geht in einem Vor, wenn man sowas sieht?

00:24:37: Also, ich glaube, der schlimmste Moment war, wo... ... die dann aus diesem Kühlschrank quasi rausgefahren hat.

00:24:44: Also wie man es aus dem Film kennt quasi?

00:24:46: Oder muss ich mir das vorstellen?

00:24:47: Ja, schon, weil ich habe erst mal ja nichts gesehen.

00:24:49: Da lag zum Glück raus noch diese Tuchtübe.

00:24:51: Alleine, er hat sie da rausgeschoben und dann so abgedeckt.

00:24:54: Und dann habe ich sie angeguckt und ich weiß nicht, es war irgendwie komisch.

00:24:58: Also sie sah ein bisschen unheimlich aus.

00:25:01: Also das klingt jetzt wie eine Sensationsgeilheit, ist es gar nicht.

00:25:04: Aber auch einfach nur um es einordnen zu können.

00:25:06: Es war offensichtlich eine weibliche Person.

00:25:08: Eine ältere Frau?

00:25:10: Ja.

00:25:11: Zum Glück.

00:25:11: Also das Baby durfte ich nicht mitmachen.

00:25:14: Du hattest auch Scheiße.

00:25:16: Darüber reden wir gleich noch.

00:25:19: Genau, so was hat sich komisch angefühlt.

00:25:21: War da irgendwas von, also so einen Spuren von, keine Ahnung, Mitleiden oder an die, an die Familie, also an die Hinterbliebenen denken?

00:25:30: War da irgendwie auch vielleicht so was wie Angst?

00:25:34: schon ein bisschen erst mal dann Angst oder beziehungsweise ich würde eher sagen ein bisschen Respekt so alleine vor dem Job weil ich glaube also die beiden sind nur zu zweit in dem Unternehmen gewesen.

00:25:44: deswegen also alleine würde ich es nicht machen.

00:25:47: auf jeden Fall

00:25:48: warum nicht?

00:25:48: das ist Ich hab Angst, es ist leise.

00:25:51: Dann bist du mit einer toten Frau alleine.

00:25:53: Aber zu zweit, fand ich, ging's dann.

00:25:56: Und wir hatten noch nicht mehr so viel zu tun.

00:25:58: Er hat sie dann angezogen.

00:25:59: Dann haben wir sie direkt ins Sack gebracht.

00:26:02: Und rüber nach Seilfeld ins Krematorium gebracht.

00:26:05: Aber da war erst mal diese Angst.

00:26:08: Ich hab noch nie davor eine Leiche gesehen oder auch angepasst.

00:26:11: Wer sieht denn ... Das ist ja nichts Alltagliches.

00:26:14: Ja,

00:26:14: zum

00:26:14: Glück nicht.

00:26:15: Aber ja, wie gesagt, Mittwoch habe ich dann ja mitgeholfen.

00:26:19: Das war auch dann noch mal ein bisschen komisch, weil sie war wirklich auch sehr kalt.

00:26:24: Ja.

00:26:26: Aber es hat sich angefühlt wie eine Wachsfigur, die haut die

00:26:29: Finger

00:26:29: und alles.

00:26:30: Hat da Angst, dass ein bisschen was irgendwie vielleicht kaputt macht.

00:26:33: Aber hätte eh keiner wahrscheinlich mehr gemerkt.

00:26:36: Du hast gerade gesagt, du hattest oder du hättest Angst... alleine mit einer toten Frau zu sein, liegt es daran, dass du, also gibt es so, wie sagt man, gibt es Dinge, übersinnliche Dinge, an die du glaubst oder die du nicht ganz wegschieben kannst aus einem, aus einem alten Denken oder wie, wie auch immer man das beschreiben soll, religiöse Sachen, vielleicht was, was, was löst die Angst aus, alleine mit einer toten Frau in einem Raum zu sein?

00:27:04: Naja, der Raum war halt auch so unheimlich, es war wie in so einem Keller, es gab... Kein Fenster, glaub ich.

00:27:11: Höchstens so irgendwie in der Decke oben.

00:27:13: Das war als in so einer Lagerhalle dieses ... diese Kühlschrank quasi.

00:27:18: Und auch im Uniklinikum unten.

00:27:20: Da war ja nichts.

00:27:21: Das war wirklich einfach ein geschlossener Raum.

00:27:23: Das macht mir sowieso auch Angst.

00:27:25: Sie schlossen eine Räume im Allgemeinen?

00:27:26: Ja.

00:27:27: Und dann halt noch mit so vielen Toten.

00:27:29: Also, sie war ja nicht die einzige, die tot lag.

00:27:31: Ja.

00:27:32: Und dann ... erst mal diese Türen auf.

00:27:34: Ich weiß nicht auch, ich würd's körperlich auch nicht alleine packen.

00:27:38: Ja.

00:27:39: Scheiße, da lagen diese vielen Toten aus.

00:27:43: Ich versuch mich gerade in diese Situation zu versetzen.

00:27:48: Aber das ist natürlich logisch, wenn man noch nie eine Leiche gesehen hat, wie du ja vorher auch nicht, sich das vorzustellen, ist glaube ich unmöglich.

00:27:55: Oder nur schwer möglich.

00:27:57: Ich versuch mir das gerade mal so ein bisschen zu imaginieren.

00:28:00: Also das ist doch irgendwie... Also ich glaube, mir würde es so gehen, dass da tausend Dinge Die aber keine Worte haben, die nicht definiert sind, aber so auf mich einkloppen.

00:28:10: Wie so ein Druck, der von außen ist, als würde sich der Luftdruck erhöhen.

00:28:12: Würdest du das bestätigen?

00:28:14: Schon irgendwie.

00:28:15: Also irgendwie, also zuerst ist alles quasi leer.

00:28:19: Da geht dir gar nichts durch den Kopf.

00:28:20: Und dann ist alles wirklich einfach ungeordnet.

00:28:24: Aber dann, wenn du so denkst, ja gut, ich mach jetzt hier vielleicht einen Job.

00:28:27: Also es ist ja jetzt nicht irgendeine Frau, die auf einer Straße liegt oder so.

00:28:32: Also dann konzentriert man sich relativ schnell auf die Arbeit und dass man schneller da wieder rauskommt aus diesem Raum.

00:28:39: Hattest du innerhalb des Praktikums aber wahrscheinlich eher nicht, ne?

00:28:42: Weil das ja schon auch eine sensible Sache ist.

00:28:46: Hattest du mit Hinterbliebenen schon zu tun?

00:28:48: Ja,

00:28:49: also den einen Tag bei der eine Slider zuerst ist ein Elternteil und dann das andere verstorben innerhalb von einer Woche halt alle und die waren dann da, aber da... durfte ich dann nicht bei diesem Gespräch direkt mit dabei sein.

00:29:01: Das wollte er für sie halt auch einfach erst mal alleine machen, weil ich war ja auch nur ein Praktikant jetzt.

00:29:05: Ich hätte jetzt auch nicht so gerne dann Praktikant vielleicht mit rumsitzen.

00:29:09: Aber bei der Trauerfeier war ich dann ja am Freitag mit dabei, da hatte ich ein bisschen mit den Hinterbliebenen dann zu tun.

00:29:15: Ja, ja.

00:29:16: Wenn du ... diesen Job oder diese Ausbildung tatsächlich bekommen.

00:29:20: Du kriegst natürlich Handwerkszeug gereicht innerhalb dieser Ausbildung.

00:29:24: Wie lange geht die eigentlich?

00:29:25: Dreieinhalb Jahre oder?

00:29:26: Ja, müsste so nochmal drei Jahre ungefähr.

00:29:30: Dann wirst du ja solche Gespräche führen müssen.

00:29:34: Wahrscheinlich.

00:29:36: Hast du da schon drüber nachgedacht, wie das werden könnte?

00:29:41: Na, da hat mir mein Praktikum Herr Maas auch... Versucht viel mitzugeben.

00:29:45: Also man darf natürlich jetzt auch nicht zu viel Trauer mit zeigen.

00:29:49: Also man sollte mit fühlsam auf jeden Fall sein.

00:29:53: Aber jetzt auch nicht mit sich dahin setzen und mit weinen oder so.

00:29:56: Weil es gehört ja mit dazu.

00:29:58: Man möchte den hinterbliebenen oder der verstorbenen Person auch noch mal einen schönen Abschied schenken.

00:30:04: Das heißt... Man sollte es schon, ich soll mal lockerer sehen und auch was auf Arbeit passiert, muss auf Arbeit bleiben und was zu Hause passiert ist

00:30:13: zu Hause.

00:30:14: Das ist die nächste Frage, die mir wirklich brennt im Kopf.

00:30:21: Und jetzt hast du ja nun schon die Erfahrung des Praktikums gemacht.

00:30:23: Ich stütze mich mal ein bisschen darauf, was auf Arbeit passiert, bleibt auf Arbeit.

00:30:28: Denkst du, das ist machbar?

00:30:30: Ja, auf jeden Fall.

00:30:30: Also... Ich glaube halt, ich kannte ja jetzt auch davon keinen so.

00:30:35: Ich denke mal, dann ist es noch mal was anderes.

00:30:37: Ich weiß auch nicht, wie das ist, ob man dann selber so seine verstorbenen Familienmitglieder oder Bekannte so, ob man die dann auch mitbestattet.

00:30:46: Aber ich denke und hoffe mal im Normalfall eigentlich nicht.

00:30:50: Aber so an sich, es hat mich jetzt nicht irgendwie so krass irgendwie

00:30:55: mitgenommen.

00:30:58: Was ja gut ist, was ja wirklich gut ist.

00:31:00: Aber ich habe gerade gesagt, darüber werden wir gleich noch mal sprechen.

00:31:03: Du hast ja auch gesagt, da war dann eine Kinderleiche.

00:31:06: Also ja, die Frau, also sie ist im Bauch schon gestorben, aber sie wollte ja noch auf die Welt bringen.

00:31:11: Also ein Sternenkind heißt das, glaube ich.

00:31:16: Ich kenne jetzt einen Bestatter persönlich, mit dem ich mich auch jetzt am Montag noch unterhalten werde.

00:31:21: Ich kenne jetzt dich, die den Berufswohnen schatt.

00:31:25: Und ich bin auch schon mal gefragt worden, ich habe die Trauerreden für meine Oma gehalten, zum Beispiel auf Wunsch meiner Mutter.

00:31:30: Ich habe die Trauerrede für eine gute Freundin gehalten.

00:31:33: Also für einige Leute habe ich schon Trauerreden gehalten, sagen muss man so.

00:31:37: Und ich bin von einigen Menschen gefragt worden in den vergangenen Jahren, ob ich mir nicht vorstellen könnte, das beruflich zu machen.

00:31:44: Also nicht den Job des Bestatter, sondern tatsächlich nur freier Trauerredener.

00:31:48: Und ich habe gesagt, nein, das kann ich mir nicht vorstellen.

00:31:52: nicht, dass ich ein Problem habe, damit auf einem Friedhof, an einem Grab bei einer Beerdigung zu stehen und da irgendwas vorzulesen und vorzutragen oder gar freizusprechen, aber a. die Gespräche zu führen mit den Anverwandten, mit den Hinterbliebenen und b. und spätestens da würde es bei mir auf jeden Fall aufhören, wenn es darum geht, dass Kinder versterben.

00:32:14: Da habe ich ein Scheiß-Respekt vor und ich glaube, dann könnte ich meine Fassung nicht mehr bewahren.

00:32:20: Wie sieht es bei dir aus?

00:32:22: Du warst ja bis jetzt noch nicht wirklich damit konfrontiert.

00:32:25: Hast du da ein bisschen Respekt vor?

00:32:28: Auf jeden Fall.

00:32:29: Also er hat halt gemeint, dass was ihn da erwartet ist, wahrscheinlich dann eh nur so Wabbel quasi.

00:32:34: Aber ich denke schon, vor allem bei jungen Menschen wird es auf jeden Fall dann irgendwie was mit mir machen.

00:32:43: Ich hatte ja jetzt nur ältere Frauen zum Glück.

00:32:46: Also, ich finde, dann ist es auch irgendwie was anderes, wenn die Person halt schon älter ist.

00:32:50: Oder wenn es halt wirklich ein Baby, Kleinkind oder Teenager ist.

00:32:55: Oder junger Wachsner auch

00:32:56: noch.

00:32:57: Ja, ja.

00:32:58: Scheiße, ich möchte es mir nicht vorstellen.

00:33:00: Ich möchte es mir nicht vorstellen.

00:33:01: Ähm, ich hab jene Freundin, von der ich schon gesprochen hab, du kennst das ja.

00:33:05: Äh, die mit dreiunddreißig auf der Autobahn starb und die drei Jahre.

00:33:08: der Person war dabei.

00:33:10: Damm!

00:33:11: Also... Farg auf, das ist so ein horribler Gedanke, vielleicht auch weil ich selbst Kinder habe, keine Ahnung.

00:33:18: Das ist eine krasse Geschichte.

00:33:19: Jetzt habe ich dich gerade im Off gefragt, ob wir darüber auch sprechen können.

00:33:25: Beruht diese Berufswunsch vielleicht auch ein bisschen auf eine Erfahrung, die du hast machen müssen.

00:33:32: Ich würde vielleicht fast sogar schon sagen, eine traumatische Erfahrung, du wirst jetzt gleich ja oder nein sagen, du warst wie alt als... Das große, schwere Schicksal, dich getroffen hat?

00:33:43: Ich glaube sieben.

00:33:44: Sieben, als ihr hier nach Hause kam und deinen Vater nicht mehr lebte.

00:33:51: Ist das vielleicht auch so ein bisschen ein Auslöser für diesen Berufswunsch?

00:33:56: Ich denke eher nicht.

00:33:57: Damit hat es jetzt nicht so großartig was zu tun.

00:34:00: Aber du schöpfst ja dann trotzdem ganz krass aus einem gewissen Erfahrungswert, weil du auch schon sehr, sehr jung hast Erfahrungen mit dem Thema Tod machen müssen.

00:34:11: Vielleicht ist das ja auch Handwerkszeug, dass du automatisch schon hast.

00:34:16: Könnte sein.

00:34:17: Im Umgang mit Hinterbliebenen zum Beispiel.

00:34:20: Darf ich dich fragen, wie das heute für dich ist, wenn du darüber sprichst?

00:34:26: Eigentlich schon seit damals, ich weiß nicht, also Mama meinte mal, ich hab damals nicht so mit ihr drüber gesprochen, aber ich kann mich auf jeden Fall daran erinnern, dass ich mit meinen Freunden auch immer drüber gesprochen hatte, was ich gesehen hab, was ich mitbekommen hab.

00:34:37: Zur Trauerfeier direkt war ich dann ja nicht mit anwesend, aber danach auch mit ... Ich geh da mit locker, um.

00:34:46: es ist jetzt so ... Ich kann hier nichts zurückholen.

00:34:49: Ja.

00:34:51: Na, ich hab dich ein bisschen bewundert, weil du dieses Trauertagebuch geschrieben hast damals.

00:34:56: Also, ich glaube, wir sollten uns so in zwei, drei Jahren, wenn es tatsächlich klappen sollte mit der Ausbildung, was ich dir wünsche, dann sollten wir uns noch mal treffen und noch mal drüber sprechen und das vielleicht noch mal ein bisschen gegeneinander spiegeln.

00:35:10: Aber ich will mal weg auch jetzt von dieser, oder raus aus dieser Schwere des Themas noch mal hin zu... Im allgemeineren Bild, wenn das jetzt nicht klappen sollte mit der Ausbildung, hast du ja vorhin darüber gesprochen, dass du schon Plan B und C hättest.

00:35:28: Was sind denn die anderen Sachen, wo du dir vorstellst, das könnte ich machen?

00:35:32: Naja, ich würde gerne, also es gibt halt so ein paar Sachen, die kann ich halt leider nicht machen, weil ich habe ja nur zehnte Klasseabschluss oder was heißt nur, ist ja auch gut.

00:35:42: Aber z.B.

00:35:43: ich würde eigentlich gerne studieren, was auch immer.

00:35:47: Literatur wäre cool, damit kann ich zwar nichts machen, aber sonst, Psychologin hatte ich damals immer überlegt, dafür brauche ich auch nicht direkt Abitur.

00:35:57: Ich denke mal Fachabit würde auch reichen.

00:36:00: Du kannst auch Literatur am Deutschen Literaturinstitut Leipzig ohne Abit studieren.

00:36:05: Das ist nochmal nebenbei.

00:36:07: Ich kenne da zwei Leute.

00:36:09: Das finde ich nämlich cool, weil ich schreib gerne.

00:36:11: Ja, du schreibst gerne.

00:36:13: Was heißt du schreibst gerne?

00:36:16: Wann hat das angefangen?

00:36:19: Also ich glaube so... angefangen irgendwann mal so nebenbei im Unterricht, weil vor allem der deutsche Unterricht, oder Englisch war so langweilig.

00:36:28: Wir sind nicht vorangekommen, weil wir hatten halt so zwei, drei Nasen in der Klasse, die konnten gar nichts, wirklich gar nichts.

00:36:35: Bei denen hat schon bei Hello aufgehört.

00:36:38: Und dann irgendwann war es halt einfach langweilig.

00:36:40: Und dann habe ich angefangen zu schreiben.

00:36:42: Und auch so, Mathe, bin ich eh nie mitgekommen, habe ich auch angefangen zu schreiben.

00:36:46: Gebe ich

00:36:46: dir die Hand, bin ich dabei.

00:36:48: Mathe und Physik, finde ich raus.

00:36:50: Ich auch, Jimmy.

00:36:51: Bio.

00:36:51: Komplitli.

00:36:52: Komplitli.

00:36:53: Aber das ist halt so.

00:36:54: Es gibt die Sprachbegabtenmenschen und es gibt eben die, was weiß ich, mathematisch begabten Menschen, also da gibt es auch Fachbegriffe für aber anyway.

00:37:02: Du hast dann quasi im Unterricht einfach, um nicht vom Stuhl zu fallen, vor langer Weile geschrieben quasi.

00:37:07: Ja.

00:37:08: Ja.

00:37:09: Hast du das ein bisschen professionellisiert im Laufe der Monate und Wochen und Jahre?

00:37:18: Nee, also ich hab immer mal verschiedene Perspektiven quasi ausprobiert.

00:37:23: Ich hab auch mal versucht, Geschichten zu schreiben, aber ich bin mehr so in dieser Ich-Perspektive und dann aber auch nicht irgendwie eine Geschichte ausdenken, in der ich Perspektive verschreiben, sondern wirklich von mir irgendwas, was mir gerade so durch den Kopf geht.

00:37:36: Manchmal gibt's auch gar keinen Sinn, was ich schreibe, aber ist mir egal.

00:37:39: Also das ist ja erst mal so ein Tagebuch schreiben, oder hast du schon auch einen literarischen Einspruch an dich?

00:37:47: Beides irgendwie.

00:37:49: Also mit einem Tagebuch fängt alles an.

00:37:50: Ich tue das hier auch.

00:37:51: Und aus, sagen wir mal, zwanzig Tagebucheinträgen wird vielleicht ein minimaler Text.

00:37:57: Also oder zumindest die Basis für einen Text.

00:37:59: Das kann ich dir auf jeden Fall schon mal sagen, ist es bei mir zumindest.

00:38:02: Es sieht bei anderen Leuten natürlich ganz ganz anders aus.

00:38:05: Aber schreiben setzt ihr auch voraus oder zumindest gutes Schreiben, literarisches Schreiben setzt.

00:38:10: Und das ist auf jeden Fall bei jedem so voraus viel zu lesen.

00:38:14: Liest du viel?

00:38:16: Also, jetzt nicht so normale Bücher, würde ich sagen.

00:38:19: Also, wir haben zum Beispiel in Englisch oder so.

00:38:21: Da fällt es mir leichter zu lesen, weil ich bin sehr schnell abgelenkt oder so.

00:38:26: Romy und Julia fand ich auch immer ganz gut.

00:38:28: Ja, weil das war auch so.

00:38:30: Das hat gar keinen Sinn ergeben, aber das war das Coole, weil dann musste ich mein Kopf irgendwie anstrengen beim Lesen und hatte was zu tun.

00:38:35: Weil zum Beispiel... Brauchst

00:38:36: du die Herausforderung?

00:38:37: Ja, geil.

00:38:38: Oder altdeutsche Schrift lese ich sehr gerne, weil bis ich das Wort mein Ziffer tag.

00:38:42: Okay.

00:38:43: Ja.

00:38:44: So was macht mir Spaß, aber mit Julia, doch Romy und Julia hat es, glaub ich, so angefangen, weil schon alleine da, ich bohr dir ein Esel heißt, ich zeig dir ein Vogel.

00:38:52: Ja, ja.

00:38:53: Das wusste ich gar nicht.

00:38:54: Was

00:38:55: sind die dann quasi?

00:38:56: Angelesen hast du durch andere Fachliteratur beziehungsweise Doktor Google oder wie muss ich mir das vorstellen, dass du das rausgefunden hast was es heißt ich baue die einen Esel.

00:39:03: Ja das haben wir halt im Unterricht gelesen, deswegen hat sie uns das dann erklärt weil wir aller fünf Vörter stocken mussten.

00:39:09: Was heißt

00:39:09: denn das?

00:39:10: Okay, okay.

00:39:13: Gibt es andere, also das ist ja dann schon ein Klassiker der Literatur, wir reden von Shakespeare, gibt es andere Klassiker die du gelesen hast?

00:39:21: Also nicht direkt gelesen, aber ich habe einen Vortrag über Faust gehalten.

00:39:25: Ja, fand ich auch gut.

00:39:26: Und wir hatten halt damals, ich weiß gar nicht, was liest man denn noch so?

00:39:33: Habt ihr Elfibries zum Beispiel gelesen?

00:39:35: Langweilig.

00:39:36: Nee,

00:39:37: aber ich lese auch, also das kam jetzt nicht irgendwie durch die Schule oder so, aber Kafka lese ich eigentlich auch gerne.

00:39:43: Langweilig.

00:39:46: Kafka schreibt auch so irgendwie, wo man sich so ein bisschen anstrengen muss.

00:39:51: Das ist richtig.

00:39:51: Kafka strengt mich auf jeden Fall schon an, wenn ich den Namen höre.

00:39:54: Aber das ist ja Geschmackssache.

00:39:56: Wenn ich dir auf jeden Fall empfehlen muss, weil das ist einfach... Ein ein roh Diamant gewesen und jetzt ist er.

00:40:06: nein es ist immer noch ein roh Diamant weil die geschliffen in der fehlt.

00:40:09: was vom Diamanten wenn du die geschliffen hast?

00:40:11: Lutz Seiler sowohl cru so als auch Sternhundert elf beides romane die eine so fantastische Sprache meine poetische Prosa haben fast schon lyrisch.

00:40:25: Ich mache jetzt einfach mal Werbung für Lutz Seiler ihr Lieben dann ist der jetzt durch.

00:40:29: das ist das ist das ist Ganz große Kunst.

00:40:32: Ich habe vorher nichts Vergleichbares gelesen und ich habe bis jetzt noch nichts Vergleichbares gefunden.

00:40:36: Lutzseiler, Kruse und Sternhunderteilf.

00:40:38: Unbedingte Empfehlung, das noch so nebenbei.

00:40:41: Aber das wäre doch, um jetzt mal zurück zum Thema zu kommen, das wäre doch eigentlich auch eine Idee zu sagen, na pass auf, ich mache eine Ausbildung und dann mache ich vielleicht nochmal Abitur und studiere Germanistik, Journalistik, Literatur.

00:40:56: Das sind hier alles so artverwandte Fächer.

00:41:01: Könnte man sagen, und mit dem Literaturstudium, wie du selber schon gesagt hast, kann man dann am Ende nicht so viel anfangen, mit dem Germanistikstudium schon etwas mehr, aber spätestens bei Schronalistik hast du ja was in der Tasche.

00:41:13: Könntest du dir sowas auch vorstellen?

00:41:15: Nee, das wieder irgendwie nicht, ich weiß nicht.

00:41:18: Journalistik eher nicht so.

00:41:20: Ich würde lieber selber irgendwas schreiben, nicht so was gerade irgendwo passiert ist.

00:41:25: Oder wäre ein Unfall auf der Strase hatte, keine

00:41:27: Ahnung.

00:41:27: Das ist lokal Journalismus, das ist was anderes.

00:41:31: Das interessiert mich alles nicht so wirklich.

00:41:32: Okay.

00:41:34: Aber was wäre denn der Plan B oder der Plan C, jetzt um nochmal anzuknüpfen ans Gespräch?

00:41:40: Noch gibt es eigentlich nicht so wirklich ein... Ich möchte halt auch nicht irgendeine Ausbildung einfach so machen, nur damit ich dann eine Ausbildung habe, weil ich kann mich ja auch ohne die Bestatterausbildung meine Bestatter bewerben, würde halt weniger gezahlt bekommen, aber ist ja besser für die.

00:41:55: Aber ich möchte jetzt nicht irgendwie nur, damit ich drei Jahre Ausbildung hinter mich bringe, zum Beispiel Erzieher machen oder Physiotherapeut oder weiß ich nicht was.

00:42:03: Die üblichen Dinge, die man so macht in Pösnäck, wenn man keine Ausbildung findet.

00:42:07: Und dann bei Bertelsmann landet oder bei PSC oder wie das weiß der Geier.

00:42:13: Das ist aber, das ist ein nobler Gedanke, finde ich gut.

00:42:16: Wirst du, nein anders, kannst du sagen, perspektivisch.

00:42:23: Ob du diese Orla-Kreis verlassen wirst, früher oder später?

00:42:28: Ich hab's schon vor, also auf jeden Fall weg von hier.

00:42:33: Ich könnte mir vorstellen, Jena ist eine sehr schöne Stadt Weimar, finde ich auch sehr schön,

00:42:38: da

00:42:39: wenigstens hinzugehen.

00:42:40: Eigentlich, mein Traum ist eigentlich auch so Italien, aber ist schon sehr weit jetzt.

00:42:45: Und auch Italienisch muss ich ja erst mal alles lernen.

00:42:49: Großartige Sprache.

00:42:50: Ja, aber

00:42:51: so

00:42:52: wenigstens Jena, weil Jena ist auch eine schöne Stadt.

00:42:55: Kann man was machen.

00:42:56: Und da gibt es mehr Ausbildungsplätze vielleicht

00:42:59: auch.

00:42:59: Und es ist nicht so weit von Pürsnek.

00:43:00: Und ich meine also Mieten, das brauche ich dir wahrscheinlich nicht zu erzählen, weil es selber Mieten in Jena ist ja quasi das Münchentüringens, was die Mieten angeht.

00:43:10: Aber dann kann man ja wenigstens pendeln.

00:43:12: Auch wenn das, wie du vorhin schon gesagt hast, freilichen zeitlicher Mehraufwand ist, den man aber glaube ich, weil ich geb dir da vollkommen recht, Jena ist eine großartige Stadt, in Kauf nimmt.

00:43:23: Du hast vorhin Gründe genannt.

00:43:25: den Sala-Olerkreis verlassen zu wollen, Pösnek verlassen zu wollen, nämlich zum Beispiel, dass hier nicht so viel los ist, dass man hier nicht so viel machen kann, gibt es noch andere Gründe?

00:43:33: Naja, ich habe halt hier jetzt nicht so wirklich Leute, sage ich mal, also meine Freundin, mit der ich auch heute unterwegs war, die möchte auch auf jeden Fall weg, wenn nicht wirklich ganz von Deutschland sogar.

00:43:47: Dann auf jeden Fall hat mir auch eine WG oder so gedacht, aber sie macht jetzt halt gerade erst neunter Klasse, heißt es würde auch noch dauern leider bei ihr, aber ja.

00:43:58: Ja, aber gibt's dennoch, die Frage stelle ich dir jetzt ganz provokant, gibt's dennoch etwas am Sala-Orla-Greis an Pösnek?

00:44:06: vielleicht auch, dass du cool findest, dass gut ist?

00:44:10: Nein!

00:44:12: Naja, an sich ist ja Pösnick eine ganz schöne Stadt, so auch zum Spazieren, viel Grün, auch Hinterrichtung, Zahnlöcke, Tonerberg, die Felder.

00:44:22: Es ist jetzt nicht so schrecklich hier an sich zu wohnen, nur wenn man halt keine Freunde so in dem Sinne direkt hat oder auch so eine Freundesgruppe oder auch mal abends, wenn ich so die anderen Leute angucke, die gehen in Jugendklubs, so was gibt's hier halt einfach nicht.

00:44:36: Ja, ja.

00:44:37: Hier gibt es das Skischa-Bau und ein Toll.

00:44:39: Ja, was wurde vollgekommen?

00:44:41: Du hast was dir ja vorhin schon mal gesagt, dass das zu mich ist.

00:44:43: Und ich bin nicht achtzehn.

00:44:44: Next Point.

00:44:46: Kannst du mir sagen, wie viele Leute aus deiner Klasse den Sahne-Oler-Kreis respektive Pösnek verlassen haben und wie viele von denen tatsächlich dargeblieben sind, um zum Beispiel eine Ausbildung zu machen?

00:44:59: Naja, wie vorhin schon erwähnt, einer macht jetzt die Ausbildung zum Polizisten.

00:45:05: Also der ist auf jeden Fall weg, der ist ja, das ist ja in West mit M. Meiningen,

00:45:12: genau.

00:45:12: Und

00:45:13: eine andere Freundin von mir noch, die ist in der Woche immer in Gera, weil sie dort jetzt auch... Das

00:45:20: ist nur das große Pösnick.

00:45:23: Ja, sie macht da halt auch nochmal jetzt Fachabitur für irgendwas.

00:45:27: Weiß nicht, die will irgendwas mit Pferden machen.

00:45:29: Und die anderen... Die sind eigentlich alle hier.

00:45:33: Eine fährt mit mir nach Jena.

00:45:34: Die macht dort jetzt auch Fach, Abi.

00:45:36: Die möchte Hebamme werden.

00:45:38: Oh, jetzt sind das alle so berufspülische,

00:45:39: krass.

00:45:40: Einer, der hat, glaube ich, gar keine Ausbildung.

00:45:42: Der wollte eigentlich Banker werden, aber mit den Noten hat er es gar nicht geschafft.

00:45:48: Aber der soll eigentlich nur reich werden.

00:45:51: Naja, die anderen sind halt soweit, ich weiß eigentlich alle hier irgendwo in der Nähe.

00:45:56: Okay, krass, krass, das widerspricht das ein bisschen dem, was man landläufig meint oder immer wieder hört, dass die Jugend sofort, also die Jugend in Anführungsstrichen, sofort nach der Schule den Kreis die Stadt verlässt, um irgendwie in die größeren Städte zu gehen, Leipzig, Berlin oder gar in Westdeutsche Städte.

00:46:15: Die Erfahrung hast du quasi also bis jetzt nicht.

00:46:17: Nee, aber ich denke auch, wir sind halt alle noch sehr jung und vor allem, also deswegen hat es auch bei mir ein bisschen dran gescheitert.

00:46:23: Ich will jetzt noch nicht direkt so weit weg mit sechzehn.

00:46:27: Ja.

00:46:28: Da direkt auf mich so alleine gestellt, ist schon ein bisschen schnell jetzt auf einmal.

00:46:34: Ja, ja.

00:46:36: Wir müssen fast schon zum Ende kommen.

00:46:38: Die Stunde ist fast schon rum.

00:46:40: Gibt es irgendetwas, das du dir wünschst für dich selbst, für die nächsten, sagen wir mal, zwei bis fünf Jahre?

00:46:48: Ein Ausbildungsplatz, vielleicht sogar eine abgeschlossene Ausbildung und mehr Gewissheit

00:46:55: oder so.

00:46:56: Mehr Gewissheit.

00:46:56: Ich möchte mehr Gewissheit haben, was ich machen möchte und aber auch mehr locker sein, weil nur weil ich jetzt eine Ausbildung mache, heißt nicht, dass ich irgendwas damit machen

00:47:07: muss.

00:47:08: Ich kann ja immer eine Ausbildung eigentlich machen.

00:47:11: Auch der Buf, den kann ich ja auch.

00:47:13: alle fünf Jahre machen.

00:47:14: Ich

00:47:14: habe sieben und dreißig Jahre gebraucht, um zu wissen, was ich wirklich will, ne?

00:47:18: Ja, guck,

00:47:19: das geht da.

00:47:20: Wie cool, das wird auf jeden Fall.

00:47:23: Wenn du die Möglichkeit hättest mit irgendeiner Person, das kann ruhig auch eine historische Person sein.

00:47:29: Normalerweise stelle ich immer die Frage, mit der du gerne ... also mit wem, welcher berühmten Persönlichkeit würdest du gerne mal ein Bier trinken?

00:47:35: Ich frage einfach, mit wem welcher berühmten Persönlichkeit würdest du gerne mal ein Tee trinken?

00:47:40: Ein Tee.

00:47:44: gehen auch fiktive.

00:47:45: Natürlich.

00:47:46: Dann finde ich Faust ganz lustig eigentlich.

00:47:48: Mit

00:47:48: auch Dr.

00:47:49: Faust.

00:47:49: Ja, weil allein dieser Drang nach Wissen, das kann ich sehr nachvollziehen.

00:47:54: Ich wünschte, ich würde mehr eigentlich damals in der Schule aufgepasst haben.

00:47:58: Ich fand Schule halt immer eigentlich langweilig und blöd.

00:48:01: Und jetzt im Nachhinein wüsste ich aber eigentlich gern viel mehr, weil so, wenn du mal mit jemanden spazieren bist und ihr seht irgendwas und du kannst ihm irgendwas sagen, was er noch nie gehört hat, das ist voll lustig.

00:48:10: Das macht

00:48:11: einen noch ein bisschen stolz, oder?

00:48:12: Ja,

00:48:13: schon.

00:48:13: Wenn du so alles weißt, das ist ja richtig geil.

00:48:16: Das ist ein schönes Schlusswort.

00:48:18: Wunderschönes Schlusswort.

00:48:19: Charlotte, ich danke dir, dass du so ehrlich und offen mit mir gesprochen hast.

00:48:24: Tja, brauchen cooles Gespräch.

00:48:26: Vielen Dank.

00:48:26: Ja.

00:48:28: Ja, Freunde, das war auswärts.

00:48:30: Ein Spaziergang durch den Sala-Oler-Kreis.

00:48:34: Wie gesagt und wie immer darf ich nicht vergessen zu erwähnen.

00:48:37: Will ich auch gar nicht vergessen zu erwähnen.

00:48:39: Wenn ihr die anderen Folgen hören wollt, könnt ihr das tun.

00:48:42: Folgt einfach auf PottyG auf.

00:48:45: Spotify, auf Apple Music, überall da, wo es Podcasts gibt, könnt ihr all die vorhergelaufenen Folgen nachhören.

00:48:52: Wenn ihr ein Abo da lasst, wenn ihr sie liked, könnt ihr auch keine Folge mehr verpassen.

00:48:56: In diesem Sinne vielen Dank fürs Zuhören.

00:48:59: Bis zum nächsten Mal.

00:49:00: Tschüss.

00:49:16: Schreiben Sie uns gerne Ihre Meinung unter podcast.vehs-sok.de.

00:49:29: Ostwärts.

00:49:31: Ein Spaziergang durch den Saale-Orla-Kreis.

00:49:34: Ein Podcast der Volkshochschule Saale-Orla-Kreis gefördert vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

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